Chronik Mert / Kinder- und Jugendpsychiatrie

Die Therapien von Dr. Nico Neuhoff halfen unserem Sohn überhaupt nicht. 1998 hatte Mert immer noch Probleme mit dem Einhalten seiner Diät und Dr. Neuhoff empfahl uns, Mert für 6 Wochen in die geschlossene Abteilung der Kinder- und Jugendpsychiatrie Essen einzuweisen, wo er lernen sollte keine Diätfehler mehr zu machen. Mert war damals 8 Jahre alt. Wir sagten Dr. Neuhoff , dass wir auf keinen Fall wollen, dass Mert mit Psychopharmaka behandelt wird. Dies brachten wir auch in einem späterem Gespräch mit der Ärztin Frau Dr. Komnino zum Ausdruck. Man sicherte uns zu, sich 100%ig daran zu halten.

Nur mit dieser Zusage erklärten wir uns damit einverstanden, Mert 6 Wochen lang in die Obhut der Psychiatrie zu geben. Im Januar1997 brachten wir ihn in die Kinder- und Jugendpsychiatrie Essen. Das Ziel des Aufenthaltes war, Mert Nahezubringen mit seiner Nahrungsmittelallergie und Diät besser leben zu lernen und sich daran zu halten. Wenn wir gewusst hätten, was in dieser Psychiatrie tatsächlich vor sich ging, hätten wir dem Aufenthalt nie zugestimmt.

Uns wurde nahegelegt, Mert nach einer Woche dort zu besuchen, damit er sich "einleben" könne. Als wir ihn schließlich besuchten, war Mert ziemlich böse auf uns und fragte uns, warum wir ihn dort hinein gesteckt haben. Wir sagten ihm, dass sie ihm dort doch helfen wollen. Mert lachte nur verbittert und schien es nicht so zu sehen. Auf der anderen Seite war er aber auch unheimlich anhänglich, hat mit uns geschmust. Er war so zwiegespalten. Mert war ganz anders als sonst, torkelte, hatte unnatürlich große Pupillen und wirkte auch langsamer als sonst.
Wir sprachen dann mit Frau Dr. Komnino und fragten sie, warum unser Sohn so merkwürdig sei aber sie spielte unsere Sorgen herunter. Sie meinte es wäre ganz normal das hätte jedes Kind am Anfang.

Nach Ablauf der 6 Wochen sagte uns Frau Dr. Komnino, dass sie ihn noch etwas länger dort behalten müsse um noch einige Tests in Bezug auf seine Zöliakie zu machen. In der Hoffnung das diese Tests dazu beitragen würden seine Krankheit in den Griff zu bekommen, stimmten wir noch einmal zu. So wurden aus den ursprünglich geplanten 6 Wochen, 12 Wochen.

Erst bei unserem letzten Besuche fing Mert ansatzweise an zu erzählen, was dort tatsächlich vor sich ging. "Es sei nicht alles so, wie es scheint", sagte er. Wir hinterfragten und wollten wissen ob man ihm dort wehgetan habe, was er bejahte. Er könne aber nicht mehr dazu sagen. Wir waren bei unseren Besuchen nie mit Mert allein. Immer waren Pfleger oder sogar Frau Dr. Komnino selbst in der Nähe. Daher konnte Mert nicht offen mit uns reden. In der Schule kam er nicht mehr so gut mit( im Krankenhausunterricht ). Mert hatte sich total verändert, wir erkannten ihn nicht wieder.

Einmal deutete Mert an das er Tabletten schlucken müsse, Frau Dr. Komnino stritt dies jedoch ab. Uns wurde nicht mitgeteilt, ob und welche Medikamente Mert gegeben wurden. Demzufolge wurden wir nicht über Nebenwirkungen aufgeklärt.

Uns fielen jedoch zunehmend die riesigen Pupillen von Mert auf. Er sah aus, wie jemand der zu viel Alkohol konsumiert hätte. Mert war auch viel unruhiger als vorher, wirkte immer unglücklicher und verzweifelter und drängte uns immer mehr ihn aus der Klinik zu holen. Keiner der behandelten Ärzte schien sich wirklich an den Diätplan zu halten, es ging alles drunter und drüber. Mert kam ohne Probleme an die Schränke der anderen Kinder, wo Süßigkeiten etc. lagerten. Wir führten diverse Gespräche mit den behandelnden Psychiatern und wiesen sie darauf hin, dass die Diät eingehalten werden müsse, aber das hatte keine Wirkung. Man bat uns stattdessen sogar, ihm sein Essen mitzubringen. Sie verharmlosten Mert's Aussagen und spielten sie herunter. Sie sagten, dass sie Therapiegespräche mit Mert durchführen würden und das alles seine Richtigkeit hätte.

Bei einem Besuch standen wir am Eingang der Station; Ein Kind kam vorbei (6 - 7 Jahre) und ein anderes kam hinzu und trat ihm immer wieder vor das Schienenbein. Das angegriffene Kind wehrte sich und stieß ihn von sich weg. Der andere fing an zu brüllen. Im nächsten Moment kam ein Riese von Erzieher (Pfleger) angerannt, packte das Kind (das getreten worden war), drehte ihm den Arm auf den Rücken, zog es an den Haaren und schleifte das Kind hinter sich her. Das Kind verlor dabei einen Hausschuh, wimmerte und schrie , er hätte nichts getan. Der Erzieher riss die Tür eines sogenannten "Tobe -Raum" (Isolierraum) auf, schmiss das Kind rein und knallte die Tür wieder zu. Wir gingen zu dem Pfleger, wiesen ihn darauf hin, das es ein kleines Kind sei, mit dem er so umgehe und fragte ihn, was er da mache. Er fuhr uns scharf an, fragte dann was wir dort wollen und ob wir die Eltern seien und raunzte, wir sollten uns da raushalten. Das kleine Kind hämmerte immer wieder von innen an die Tür und flehte uns an es dort rauszuholen. Wir wandten uns an einen anderen Pfleger, der uns aber ebenfalls den Mund verbat.

Das war für uns das Schlüsselereignis. Zum ersten Mal glaubten wir unserem Sohn Mert und erahnten, welche Zustände tatsächlich in dieser Psychiatrie herrschten. Wir entschieden uns, unseren Mert auf der Klinik zu holen. Als wir das Frau Dr. Komnino mitteilten, versuchte sie uns stattdessen einzureden Mert vollstationär im Heim unterzubringen, weil wir es angeblich "nie" ohne Heimunterbringung schaffen würden. Mert schaute sie an und sagte ihr, das wir es ihr zeigen würden, das wir es ohne Heimunterbringung schaffen werden. Auch wir brachten das klar zum Ausdruck, obwohl wir total entsetzt und empört über ihren Vorschlag waren. Mert hatte die ersten 74 Tage Psychiatrie hinter sich.

Der Kinderpsychologe Dr. Nico Neuhoff zeigte sein wahres Gesicht, als wir die vollstationäre Heimunterbringung von Mert ablehnten. Er wurde fuchsteufelswild, wir erkannten ihn nicht wieder. Er brüllte uns an, was uns einfallen würde, er sei der Therapeut und wüsste, was für Mert am besten wäre usw.. Wir bestanden jedoch darauf, Mert wieder mit nach Hause zu nehmen und taten das auch.

Wir forderten dann einen Bericht von Frau Dr. Komnino über Merts Psychiatrieaufenthalt an, Sie sagte uns jedoch, das wir keinen Bericht von ihr bekämen. Wir sollten uns an Dr. Neuhoff wenden, er würde uns den Bericht aushändigen. Wir baten also Dr. Neuhoff um den Bericht. Auch er weigerte sich jedoch uns diesen auszuhändigen und meinte er könne ihn nicht an Dritte weitergeben. Wir beschwerten uns und versuchten nun vom Kinderarzt, Herrn Dr. Ludwig Kleine - Seuken den Bericht zu bekommen. Daraufhin sagte er uns, das da vermerkt sei, "nicht an die Eltern aushändigen". Vorher wurde uns ein Abschlußbericht zugesichert.

Erst als Mert wieder zu Hause war, erfuhren wir das ganze Ausmaß der entwürdigenden und erniedrigenden Behandlung in dieser Psychiatrie. Der Aufenthalt war die Hölle für Mert. Er war nicht mehr dasselbe Kind wie vorher. Er hatte unglaubliche Angst vor Berührungen. Wir konnten ihm nicht einmal mehr über den Kopf streicheln. Nach und nach begann er dann zu berichten und erzählte, dass er in der Psychiatrie ständig Pillen schlucken musste und teilweise auch Spritzen bekommen hatte. Er sprach auch von einer Gummizelle, in die er immer wieder gesteckt wurde und erzählte, dass er auch ans Bett gefesselt worden sei. Er hatte danach gegen unseren erklärten Willen und ohne unser Einverständnis in dieser Psychiatrie Psychodrogen bekommen. Er erzählte, dass er sie zuerst noch freiwillig genommen hatte, aber irgendwann wollte er nicht mehr und weigerte sich.

Die Pfleger hätten seinen Kopf daraufhin zwischen ihre Beine gesteckt, seinen Kiefer aufgedrückt, die Nase zugehalten, die Pillen rein gesteckt und ihn dazu gezwungen sie runter zu schlucken. Das geschah ungefähr 3 x pro Woche. Er berichtete, dass er die Psychodrogen auch in Tropfenform erhalten hätte und sich oft so schlimm daran verschluckt habe, dass er einmal fast daran erstickt wäre. Es sei ihm schwarz vor Augen geworden und ihm sei übel geworden. Wenn er zwischendurch mal ( durch einen Diätfehler verursacht) sehr unruhig war, wurde er in eine Gummizelle gesteckt, die dort verharmlosend " Toberaum" genannt wird. Mert berichtete, dass dies fast jeden Tag geschehen sei. Manchmal musste er den ganzen Tag lang in dieser Gummizelle bleiben.

Heute wissen wir, dass es unser größte Fehler war, unseren Sohn hilflos diesen Psychiatern zu überlassen. Als wir ihn nach 3 Monaten endlich aus der Klinik rausholten, war er nicht mehr dasselbe Kind. Seine Kindheit wurde dort zerstört. Die Psychiatrie war die Hölle für Mert.

Nach diesem Psychiatrieaufenthalt hatten wir ein total verstörtes Kind, das Hilfe brauchte. In unserer Verzweiflung hörten wir auf Dr. Neuhoff, der uns eine "Festhaltetherapie" empfahl, weil unser Kind nach diesen traumatischen Erlebnissen in der Kinderpsychiatrie keine Berührungen mehr ertragen konnte. Die "Therapie" bestand daraus, das wir Mert (anfangs 5 Minuten, dann länger) ganz festhalten sollten, auch wenn er protestierte, bis sein Widerstand gebrochen war. Es dauerte ein ¾ Jahr, bis Mert sich von dem Psychiatrieaufenthalt einigermaßen erholt hatte und er es wieder genoss von uns geknuddelt zu werden.

Aber es traten nach wie vor Diätfehler auf, die in allergischen Reaktionen wie - innere Unruhe, Durchfall, Erbrechen u.s.w. - resultierten. Als Mert 10 Jahre alt war, verschrieb Dr. Neuhoff ihm Ritalin. Er sagte uns dazu nur, das es beruhigend wirke - über Nebenwirkungen wurden wir nicht aufgeklärt. Mert bekam eine Ritalintablette pro Tag. Später wurden ihm 2 Tabletten pro Tag gegeben. Bis zum 24.02.2000 nahm Mert Ritalin.

Die Kosten für die Therapie von Mert bei Dr. Neuhoff sowie die Behandlung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie Essen sowie die Kosten für das Ritalin wurden von der AOK - Essen getragen. Dr. Neuhoff hat Mert auch sehr oft - in unseren Augen oft grundlos - krankgeschrieben.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie Essen ist eng mit dem Uniklinikum Essen verbunden. Als wir Mert und seinen kleinen Bruder Cem vom 16.-20.11.1998 einmal wieder zu einer Routineuntersuchung im Uniklinikum Essen brachten, drängten uns die Ärzte unsere Einwilligung für weitere schmerzhafte Untersuchungen an unseren Kindern zu geben. Sie wollten z. B. eine Dünndarmbiopsie bei Mert durchführen und sie wollten auch andere Untersuchungen, die sie vorher bereits zigmal gemacht hatten - noch mal wiederholen. Die Ärzte begründeten es uns gegenüber damit, dass sie diese Untersuchungen zum Wohl unserer Kinder und all der anderen Kinder, die diese Krankheit auch haben - durchführen wollen. Wir wurden misstrauisch. Sollten unsere Kinder als Versuchskaninchen herhalten. Der Leiter der Kinderpsychiatrie ist Prof. Dr. Eggers.

Da sein Zustand aber stabil war und es ihm gut ging, wollten wir dieser Untersuchung nicht zustimmen. Mehrere Ärzte redeten massiv auf uns ein. Beide Kinder waren in einem gutem Zustand und wir wollten ihnen keine vermeidbaren Strapazen aufbürden. Wir besprachen uns mit unseren Kindern und sie wollten keine weiteren Untersuchungen mehr. Wir machten daher den Ärzten klar, das wir uns das in Ruhe überlegen wollten, eine zweite ärztliche Meinung hören wollten und nahmen unsere Kinder wieder aus dem Klinikum heraus. Frau Dr. Düchting vom Uniklinikum Essen hat in aller Eile eine Notiz gekritzelt, wie wir bei Cem Orfiril ausschleichen sollten und warf uns den Zettel mehr oder weniger vor die Füße. Die Ärzte waren sehr ungehalten darüber, das wir unsere Kinder mitnehmen wollten. Wir bekamen noch einen Termin, wann wir das nächste mal dort erscheinen sollten. Das ganze Ärzteteam war unfreundlich und total aufgebracht - als würden wir ihnen etwas wegnehmen, was ihnen gehörte.

Die vorangegangenen Routineuntersuchungen unserer Kinder, in dieser Klinik dauerten jeweils bis zu 3 Wochen. Wir verstanden weder bei Mert noch bei Cem, warum diese Untersuchungen so viel Zeit in Anspruch nahmen.

Der Ausschleichungsplan von dem Medikament Orfiril bei Cem betrug nur 3 Wochen. Das bedeutete ein rapides Absetzen des Mittels. Ca. Anfang Januar 1999 begannen wir mit der Ausschleichung bei Cem. Danach ging es ihm ziemlich schlecht, er übergab sich immer wieder, behielt kaum etwas Essbares im Magen. Immer wieder bekam er auch Drehschwindel.

Die Anfälle von Cem kamen wieder in kürzeren Abständen. Wir fuhren dann zur Kinderklinik Bottrop, um eine zweite unabhängige ärztliche Meinung von dem Chefarzt Prof. Dr. Wolff, einzuholen. Herr Prof. Dr. Wolff nahm unsere beiden Kinder vom 09.02.1999 - 24.02.1999 stationär in die Kinderklinik Bottrop auf. Mert sollte auch mitkommen, weil er ziemlich starke Auffälligkeiten beim Schulwechsel in die Realschule zeigte und nach wie vor Schwierigkeiten beim Einhalten seiner Diät hatte. Seine neue Lehrerin kam mit dieser Situation nicht zurecht.

Wir führten viele Gespräche mit Prof. Dr. Wolff und fühlten uns zum ersten Mal verstanden. Er sagte, dass es nicht richtig gewesen wäre die Tabletten bei Cem so drastisch zu reduzieren. Cem wurde wieder auf die ursprüngliche Dosis hochgestuft (Medikation: Orferil-Antiepileptikum und Lamictal). Es ging ihm dann wieder besser. Drehschwindel und Erbrechen verschwanden. Prof. Dr. Wolff sagte auch, das bei Mert keine erneute Dünndarmbiopsie durch geführt werden musste.

Zuerst waren wir alle paar Wochen in der Kinderklinik, Prof. Dr. Wolff hat uns auch über die Nebenwirkungen der Medikamente aufgeklärt. Dies ist im Uniklinikum Essen vorher unterblieben. Nach den Aufklärungsgesprächen waren wir dann in regelmäßigen Abständen - alle 3 Monate - dort in der Kinderklinik zu Routineuntersuchungen (EEG, Blutuntersuchungen etc.).

Mert wurde eingestellt in der Kinderklinik Bottrop. Er wurde dort begutachtet und es wurden Teilleistungsstörungen bei ihm festgestellt. Fr. Dr. Mauk war von Anfang an nicht auf der selben Schiene wie Prof. Dr. Wolff. Mit der kamen wir nicht gut zurecht. Prof. Dr. Wolff war für unsere Kinder zuständig. Wir hatten dann nochmals nachgefragt, wer das Sagen hat, er als Chefarzt oder eine Assistenzärztin. Er sagte, er hätte das Sagen, er sei schließlich der Chefarzt der Kinderklinik.

Prof. Dr. Wolff war der erste Arzt, der uns erklärt hat, das Diazepam ein Psychopharmakon ist. Er hat uns auch darüber aufgeklärt, das es psychogene und psychomotorische epileptische Anfälle gibt. Er hat uns gezeigt, woran man das erkennen kann und erklärte uns auch, dass man nicht immer Diazepam einsetzen muss. Das hatte uns in all den Jahren davor kein einziger Arzt im Klinikum Essen mitgeteilt. Wir waren auch nicht über Orfaril und Lamictal (Antiepileptika) aufgeklärt worden.
Cem bekam Diazepam in der Schule von Lehrern, im Kindergarten von Erziehern, in der Klinik von den Ärzten. Der Kinderarzt hat immer wieder Diazepam verordnet.